Modellbau-Latein
Wer kennt es nicht, dass ganze Fachchinesisch aus dem kein Mensch schlau wird. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, möchte ich hier einige Fachbegriffe und Abkürzungen aus dem Modellbau erläutern.
Decals: Zu Decals kann man auch ganz klassisch
Abziehbildchen oder Nassschiebebilder sagen. Guten Modellbausätzen liegt
meistens ein kleiner Bogen mit mehreren Decals bei, welche ausgeschnitten und in
Wasser abgelöst werden müssen. Sobald sich das Abziehbildchen vom
Trägerpapier gelöst hat, kann man es am Modell platzieren und
festdrücken. Für die dauerhafte Haltbarkeit der Decals empfehle ich,
diese mit Klarlack zu versiegeln.
Silvering: Silvering nennt man den Effekt, der entsteht, wenn sich unter dem Decal kleine Luftbläschen bilden. Durch den Lufteinschluss schimmert dann das Decal leicht silbern, was der Gesamtoptik des Modells nicht unbedingt gut tut. Bei matten Lacken oder bei schlechten Lackierungen mit Orangenhaut, ist dieser Effekt fast immer zu beobachten. Das Decal kann sich nicht richtig an die raue und unebene Oberfläche anlegen und es wird Luft mit eingeschlossen. Den Lufteinschluss kann man verhindern, indem man matte Lacke vorher an der gewünschten Stelle mit Klarlack lackiert und versucht, die Orangenhaut des Lackes zu minimieren oder gänzlich zu vermeiden.
Weichmacher: Diesen benutzt man, um Decals besser um Rundungen und Kanten zu legen. Oftmals sind die Decals recht störrisch und hart. Um sie schön weich zu bekommen, pinselt man sie einfach mit etwas Weichmacher ein. Bei der Anwendung ist zu beachten, dass die Decals anfänglich etwas zusammenschrumpeln können. Jetzt bloß nicht versuchen sie glatt zu ziehen !!! Nach ein paar Minuten glättet sich das Decal wieder von alleine.
Flocking: Beim Flocking streut man Viskoseflocken in die noch feuchte Farbe um z.B. Fahrzeugteppiche nachzubilden. Wie HIER beschrieben.
Washing: Bei dieser Technik pinselt man stark
verdünnte Farbe z.B. Ölfarbe (Sienna gebrannt) über die zu
behandelnde Fläche. Durch die Kapillarwirkung sammelt sich die Farbe in
Ecken, Vertiefungen und um Nieten und stellt so eine realistische Verschmutzung
dar.
Drybrushing oder Trockenmalen: Beim Trockenmalen taucht man einen Pinsel in z.B. silberne Farbe und reibt diesen in einem Tuch, bis fast keine Farbe mehr am Pinsel ist. Anschließend bürstet man mit dem Pinsel über die zu behandelnden Stellen. Die Farbe setzt sich nur an den erhabenen Stellen ab. Diese Technik funktioniert auch mit pulverförmiger Pastellkreide wodurch schöne Abnutzungsspuren entstehen.
Weathering: So nennt man das Altern von Modellen. Techniken hierfür sind z.B. Washing, Drybrushing oder Trockenmalen.
Preshading: ist eine Lackiertechnik, bei der man
Fugen, Nieten und Blechstöße farblich hervorhebt. Um die Vertiefungen
später dunkler erscheinen zu lassen, trägt man mittels Airbrush dunkle
oder sogar schwarze Farbe über die Bereiche bzw. Vertiefungen auf, die
später dunkler erscheinen sollen. Die darauf folgende Lackschicht muss
anschließend an diesen Stellen so dünn wie möglich erfolgen,
sodass die Lackschicht dort etwas dunkler wirkt.
Verwendung findet diese Technik hauptsächlich im Flugzeug- und
Militärmodellbau.
Diorama: Von einem Diorama (Dio) spricht man, wenn um das eigentliche Modell noch etwas Leben oder Zubehör gestaltet wird (z.B. in Form einer Werkstatt oder etwas Landschaft). HIER ein Beispiel.
Sheet: ist ein Material welches aus Polystyrol
besteht (z.B. von der Firma Evergreen).
Sheet gibt es in allen erdenklichen Variationen. Platten in verschiedenen
Stärken und Profile in allen möglichen Formen und Stärken (z.B.
rund, vierkant, halbrund, H T und L-Profile usw.). Aus Sheet werden Teile selber
gefertigt, Umbauten gemacht usw.
BMF: Bare Metal Foil ist eine hauchdünne selbstklebende Alufolie, mit der man z.B. Fensterrahmen oder Zierleisten an Modellen verchromen kann (wie HIER oder HIER beschrieben).
Alclad: ist eine Flüssigkeit, die mit sehr feinen Metallpartikeln versetzt ist. Die Farbpalette reicht von Chrome bis Kupfer. Alclad ist hervorragend geeignet um Stoßstangen zu verchromen oder um Auspuffanlagen incl. Hitzespuren zu lackieren (siehe HIER).
Paddings: nennt man die Polsterung im Einstiegs- und Kopfbereich, die bei Rennfahrzeugen am Überrollkäfig befestigt sind. Zweck dieser Polsterung ist es, harte Stoße zu dämpfen. Am Modell lassen sich diese mit sehr dünnen Schaumstoffmatten nachbilden (wie HIER beschrieben).
Hier noch einige Begriffe, wie man ein Modell bauen kann.
Oob: steht für Out of
box. Dabei handelt es sich um ein Modell, welches ohne größere
Veränderungen aus der Schachtel gebaut wird.
Box Stock: hier spricht man von einem Modell, welches
ausschließlich aus Teilen gebaut wurde, die sich im Bausatz befinden. Es
dürfen keine Zurüstteile verbaut werden.
Curbside: Curbside Modelle sind Modelle, die keine
Motornachbildung und manchmal auch kein Chassis haben.
Slammer: Slammer sind Modelle, bei denen nur die
Karosserie und die Räder dargestellt werden. Es ist keine Innenausstattung,
Motor oder Chassi vorhanden. Die Scheiben sind undurchsichtig schwarz lackiert.
Factory Stock: Modelle die 100% nach dem Original gebaut werden, wie sie in Serie vom Band liefen.
Scratchbuilding: steht für alles Selbstgebaute.
In der Regel besteht das Ganze dann aus Plastikteilen, die selber aus
Plastikplatten oder Profilen (Sheet) hergestellt werden.